ISDV vor Ort

Unter diesem Motto war Marcus Pohl, 1. Vorstandsvorsitzender der ISDV, in der letzten Woche bei verschiedenen Podiumsdiskussionen und Vorträgen vor Ort und hat sich von den dortigen Rednern und Betroffenen darüber informieren lassen, wie der Stand der Dingen in Sachen Scheinselbständigkeit ist.

Los ging es in München mit einer Podiumsdiskussion verschiedener Verbände für Selbständige, die sich aus ganz Europa zusammengetan haben und 2010 das „European Forum of Independent Professionals“, EFIP, gründeten. Sie berichteten darüber, wie die Situation in den europäischen Mitgliedsstaaten ist. Grundsätzlich haben alle, bis auf die osteuropäischen Staaten, dieselben Probleme. Deutschland ist dabei eines der strikteren Länder. In allen Staaten fordern vornehmlich die Gewerkschaften strengere Gesetze gegen Scheinselbständige. Die Vorstellung, dass nicht alle Selbständigen in diese Position gezwungen werden, existiert bei den Gewerkschaften jedoch nicht. Die Niederlande haben dieses Problem bereits erkannt und vor allem auch das wachsende Potenzial der Einzelunternehmerschaft, die in vielen Bereichen, z.B. der IT-Branche, Graphikdesign, Office-Services und Schulungen zu finden ist. Man nennte sich in dem Zusammenhang „iPro“, Independent Professional. Diesen Begriff empfinde ich als viel zutreffender als den Begriff Freelancer oder etwas anderes. – Wir werden näher mit der EFIP zusammenrücken, um uns am europäischen Schirm zu beteiligen.

http://freelancers-europe.org

Nächster Stopp war Frankfurt. Eine Betroffene berichtete in einer Vortragsreihe darüber, wie es ihr erging, als sie mit drei Verfahren wegen scheinselbständiger Arbeitsverhältnisse konfrontiert wurde. Eine erschreckende Geschichte, die sie damit begann, indem sie alle Zuhörer dazu aufforderte den gesunden Menschenverstand abzuschalten, sonst würde man den Vortrag nicht durchhalten. – Dem war so. Wir werden dazu in der kommenden Ausgabe der Production Partner ein Interview mit ihr führen. – Dieser Vortrag wurde von unserem Partnerverband, dem VGSD e.V., durchgeführt. Hier sei auch noch einmal auf die Petition des VGSD verwiesen. Bitte unterzeichnet diese Petition unter: www.vgsd.de/kampagne-scheinselbststaendigkeit/.

Der dritte Termin war in Berlin. Der VLD (Verband der Chauffeur und Limousine Service Unternehmen Deutschland e.V.) lud zur Podiumsdiskussion mit Vertretern der DRV, FDP, BG-Verkehr und Fuhrgewerbeinnung. Es gab sehr lebhafte Diskussionen, besonders in Bezug auf die Äußerungen des DRV-Vertreters. Demnach ist es nicht vorstellbar, dass jemand das Risiko einer Selbständigkeit auf sich nehmen wolle und aus diesem Gedanken heraus sind alle Subunternehmer unter Generalverdacht und deren Auftraggeber natürlich sowieso. Viele Punkte, die gegen das Vorgehen der DRV vorgebracht wurden, sind von derselben mit einem Wisch: „Das Gesetz sagt es so und wir nutzen nur unseren Handlungsspielraum.“ (sinngemäß!) vom Tisch gefragt worden. Auch alle Argumente, die vom Rechtsanwalt vorgebracht wurden bezüglich der Einzelfallbetrachtung, müssen Nachlässigkeiten einzelner Prüfer sein. Standardtexte gäbe es nicht. Nur komisch, dass über 95% aller Betriebsprüfungen im ersten Anlauf als positiv, also scheinselbständig, entschieden werden. Es wurde zeitweise hitzig, aber am Ende konnte die Moderatorin doch allen das Versprechen abnehmen, die diskutierten Punkte in ihre Ämter und Parteien zu tragen, um einen Prozess in Gang zu setzen, der verbindliche Regularien und Rechtssicherheit schafft. – Ich denke, das reicht noch lange nicht.

Als nächstes ging es nach Rüsselsheim, diesmal eine Veranstaltung der IHK zum Thema Kreativwirtschaft Design-to-Business. – Ein ganz anderes Thema. Es ging um den Nutzen und die Bedeutung von Design für das Wachstum von Unternehmen. Die Digitalisierung ist bei uns in der Branche schon sehr hoch. Dies ist jedoch im normalen Industriebereich überhaupt nicht so. Wir trafen hier viele Einzelunternehmer, Startups und Zukunftsforscher. Einer sehr interessante Mischung, die auch großes Interesse an unserem Verband zeigte. Auch die IHK interessierte sich für uns und wollte mehr über uns erfahren. Man weiß eben auch dort nicht wirklich etwas über die „Subkultur Veranstaltungswirtschaft“.

Es sind weitere Veranstaltungen auf unserem Zettel. Wenn jemand von Euch von einer Veranstaltung erfährt, bei der wir dabei sein sollten, gebt uns bitte Bescheid. Wir bringen uns gern ins Gerede.

Wir. Gemeinsam. Jetzt.