#WirFuerEuch

#WirFuerEuch

Die Aktion #WirFuerEuch ist eine Kooperation der ISDV und der Initiative für die Veranstaltungswirtschaft.

Wir wollen damit auf uns, die Mitglieder der Veranstaltungsbranche, und die fatale, paradoxe Situation, in der wir uns befinden, aufmerksam machen, über die Grenzen der eigenen Branche hinaus. Alle sind eingeladen mitzumachen.

Die Veranstaltungswirtschaft ist als erste Branche bereits im Januar, als die ersten Messen in Asien abgesagt wurden, von den Auswirkungen des Coronavirus getroffen worden. Im Februar wurden in Deutschland ebenfalls Messen und Kongresse abgesagt. Unsere Mitglieder haben dadurch ihr komplettes Auftragsvolumen vollständig verloren. Seit März finden keinerlei Konzerte in einem wirtschaftlich tragbaren, sinnvollen Rahmen mehr statt. Großveranstaltungen sind noch bis mindesten 31.08.2020 verboten. Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr keine Arena-Shows oder auch Club-Tourneen mit vollem Publikumsbesuch mehr stattfinden werden.

Das bedeutet: unser Markt und damit unsere Erwerbsgrundlage ist nicht mehr existent, durch das Virus und den daraus folgenden, notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Unsere Auftragsbücher für 2020 waren wie immer Ende 2019 voll. Wir alle wussten, dass wir 2020 sehr hoch ausgelastet sein werden. Die Veranstaltungswirtschaft läuft seit Jahrzehnten auf einem sehr hohen Auslastungslevel, nicht einmal die Finanzkrise 2008/2009 hat zu einem Stillstand geführt. Covid-19 dagegen schon. Von einem Tag auf den anderen, von 100 % auf null.

Die Bundesregierung hat schnell versucht, im Rahmen der Soforthilfen den freien Fall der Selbständigen und Klein- wie mittelständischen Unternehmen abzufedern. Das hat nur in nicht ausreichendem Maße funktioniert. Die Rahmenbedingungen der Soforthilfe wurden nachträglich nochmals geändert, daraus resultierend haben und hatten die meisten Selbständigen, besonders die Selbständigen ohne Angestellte (Soloselbständige), keinen Zugriff auf diese Hilfen. Die Hilfen für kleine und mittelständische Unternehmen sind, falls überhaupt zugänglich, deutlich zu gering bemessen und bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ein Großteil der Veranstaltungswirtschaft dreht mit relativ geringem Infrastrukturaufwand ein ausgesprochen großes Rad. Wir sind ausgerichtet auf Mobilität, Flexibilität und Effizienz. Home-Office existiert bei uns nicht! Trotz, schon lange vorher etablierter, digitaler Vernetzung in allen Belangen der Kommunikation, können wir unmöglich von zu Hause aus arbeiten. Als eine mobile Branche, arbeiten wir zwar aus Deutschland heraus in der ganzen Welt, aber immer physisch vor Ort, abhängig von einem Publikum, das physisch zusammenkommen kann und darf. Corona hat die ganze Welt im Würgegriff und was von jeher als unser größter Vorteil positiv belegt ist, ist nun unsere Schwachstelle.

Es ist mittlerweile für jeden erkennbar, dass die Bundesregierung und allen voran das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) um Herrn Altmaier, das Bundesministerium für Finanzen (BMF) um Herrn Scholz und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) um Herrn Heil, nicht weiß, wie Selbständige, kleine und mittelständische Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft funktionieren und aufgestellt sind.

Ein weiteres Hilfspaket, das der Veranstaltungsbranche helfen sollte, sind die Ticketgutscheine, gerade auf EU-Ebene beschlossen. Fakt ist: diese Gelder kommen in der Branche nicht da an, wo sie gebraucht werden, sondern verbleiben in den oberen zwei Etagen. 95% der Branche (Club- und Hallenbesitzer, örtliche Veranstalter, Technikverleiher, selbständige Veranstaltungstechniker, Produktionsleiter, Caterer, Logistikfirmen, Tourmanager, Meister, Agenturen, Plakatierer, Hotels und viele mehr) haben davon rein gar nichts.

Auch die anstehende Zweitauflage der Unternehmerhilfen schließt einen Unternehmerlohn kategorisch aus. Wovon also sollen Selbständige ihren Lebensunterhalt bezahlen? 

Die Bundesregierung fordert uns auf, die Grundhilfe/ALG-II zu nutzen und bietet an, die Vermögensprüfung temporär auszusetzen.
Hiermit gibt es drei Probleme: 

  1. Die Jobcenter, die die Anträge auf Grundsicherung prüfen, halten sich nicht daran, sondern führen nach wie vor eine Vermögensprüfung durch. Das führt dazu, dass die Selbständigen ihre Altersvorsorge auflösen müssen, um an ALG-II/Grundsicherung zu gelangen. Was passiert generell mit Versicherungen? Was mit der Altersvorsorge, die bedient werden muss, sollte sie nicht ohnehin bereits aufgelöst sein, um Anspruch zu erlangen? Es droht eine flächendeckende Altersarmut. Diese wird den Staat wesentlich teurer kommen, als jetzt einen Unternehmerlohn zu gewähren.
    Die Anweisungen der Bundesregierung werden nicht umgesetzt. Trotzdem wird immer wieder darauf verwiesen.

  2. Die Selbständigen wollen nicht in die Grundsicherung. Sie sind relevante Dienstleister der Kulturindustrie, die unverschuldet in diese Situation geraten sind. Sie wollen eine Lösung, die sie dabei unterstützt, ihre Unternehmen zu behalten und nach Eindämmung des Virus erfolgreich weiterzuführen.

  3. Eine Entscheidung für die Grundsicherung bedeutet gleichzeitig eine Entscheidung gegen das eigene Unternehmen, zudem die Auflösung der Altersvorsorge, das Verpuffen von Ausbildungen, Netzwerken und Knowhow. Die Nichtanerkennung des Unternehmerlohns stellt uns deutlich schlechter als reguläre Arbeitssuchende in ähnlicher Situation. Diese werden nicht in die Grundsicherung gezwungen, sondern erhalten Überbrückungshilfe auf der Berechnungsbasis vergangener Arbeitsleistungen. Wir sind Unternehmer und Steuerzahler, die vergangene Arbeitsleistungen problemlos nachweisen können. Wir wollen nicht mehr, als jedem Arbeitssuchenden zusteht.

Wir Unternehmer fühlen uns von der Regierung allein gelassen. Versprechungen von Herrn Scholz, Herrn Altmaier und auch Herrn Heil werden nicht eingelöst und nicht eingehalten.

Hunderttausende Leistungswillige aus der Veranstaltungsbranche werden so auf einen Schlag als Arbeitssuchende auf dem Arbeitsmarkt freigesetzt oder in die Grundsicherung gezwungen. Ohne wirksame Hilfen ist ein Überleben kaum mehr gewährleistet. Demzufolge wird die Branche sehr stark schrumpfen.

Sobald dann wieder Veranstaltungen möglich sind, werden wir zu wenige sein, um für Euch/Sie ein Gruppen-Erlebnis, Unterhaltung voller Emotionen oder Eure/Ihre Lieblingskünstler auf Bühnen zu realisieren. Mit der Aktion #WirFuerEuch möchten wir allen die hin hören die gesellschaftspolitische Frage stellen: Braucht Ihr in Zukunft Veranstaltungen? Wollt Ihr die deutsche Veranstaltungsbranche behalten?

Lasst uns Euer JA hören.

Euer Spaß ist unsere Leidenschaft.
Euer Spaß ist unser Job.

#WirFuerEuch
#WirGemeinsamJetzt